21. Februar 2016

Aufnahmen & Erinnerungen verewigt: Fotobuch 2014-2015 von saal-digital

Eine Sache, die mir als Möchtegernfotografin besonders am Herzen liegt, ist es, Fotografien am Ende auch eine gewisse Bedeutung zu gewährleisten. Hier auf dem Blog, eingerahmt in groß oder klein, in Großformat auf einer Leinwand, in etwas kreatives eingebunden - oder, wie es mir am liebsten ist, als Fotobuch. Dieses Gefühl ist unsagbar toll, wenn man die liebsten Fotos gebündelt in einem Gesamtwerk in der Hand halten kann. Am Ende des Jahres kann ich es kaum erwarten, endlich alle meine Favoriten des vergangen Jahres in einem Buch verewigen zu können. 

Dieses Exemplar, mit Fotos im Zeitraum von April 2014 bis Ende 2015, ist bis dato auch mein absoluter Favorit, mit dem ich vollkommen zufrieden bin. Warum, erzähle ich euch jetzt ein wenig genauer.

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Auf der einen Seite möchte ich euch wie immer einen kleinen Einblick in mein Jahresfotoalbum gewähren (hier die Ergebnisse von 2012-13 und 2013-14), auf der anderen Seite noch so einige Vorteile von dem Anbieter saal-digital aufweisen, dem ich auch in diesem Jahr wieder treu blieb. Denn auch dieser hat so einige tolle Neuerungen zu bieten!

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Die größte Änderung war für mich in erster Linie der Aufbau des Inhaltes: während die vergangen Bücher pro Seite meist mehr als ein Bild aufweisen, oftmals mindestens vier, und verziert sind mit zahlreichen Zitaten und kategorischen Überschriften, sollten diesmal die Fotos ganz allein im Vordergrund stehen. Ohne Rahmen, ohne weitere Worte - pro Seite ein Foto in voller Gänze, beziehungsweise zwei, sollte es im Hochformat fotografiert worden sein. Und ich könnte nicht glücklicher damit sein! Jedes Foto kann voll und ganz wirken, auch wenn zwei eine Doppelseite trumpfen.

Die Qualität ist sagenhaft gut, selbst Fotografien, bei denen ich befürchtete, dass sie auch diesmal wieder zu dunkel ausfallen könnten sind genau so abgebildet, wie ich es mir vorgestellt und erhofft habe. Das beste Beispiel ist das wirklich sehr dunkle Feuerwerkbild mit der Brücke als Silhouette - kaum ein Unterschied zu dem Ergebnis, wie es mir mein Laptopbildschirm präsentiert.

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Die Fotos sind knackig scharf (falls es auf den Bildern hier anders rüberkommt, ist das den schlechten Lichtverhältnissen zu schulden), die Kontraste ein Träumchen und die Haptik und Optik des Papieres immer wieder ein Traum. Ich liebe den nur dezenten Schimmer dank des matten Papiers (bevorzuge ich persönlich eher als Hochglanz) und dieses Gefühl beim Umblättern ♥ Auch wenn ich es noch zum gefühlt tausendsten Mal durchblättere, ist es jedes Mal aufs Neue toll. Zum einem ist dies natürlich dem Fakt geschuldet, dass es meine Ergebnisse des Jahres repräsentieren soll, von denen ich der Meinung bin, dass es die gelungensten sind. Doch viel mehr ist es das Grinsen, welches mir so ziemlich jede Aufnahme aufs Gesicht zaubert, da diese an unglaubliche Erinnerungen gebunden sind. Egal ob ein Fotoalbum als Referenz oder voll mit Erinnerungen, vielleicht auch speziell einem Anlass gewidmet - ich liebe sie! Genauso wie ich es heute noch liebe, die Fotoalben mit den analogen Aufnahmen aus der Kindheit anzugucken. Oder selbst gestaltete Bücher. Oder eben jene digital erstellte Exemplare, die hoffentlich auch in etlichen folgenden Jahren weiterhin erstellt werden.

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Neben der Aufteilung, die mir persönlich mehr zusagt als die meiner vorherigen Bücher, ist die äußere Optik noch das Sahnehäubchen! Ich kann jedem empfehlen, die neuen Optionen von saal-digital in Erwägung zu ziehen. Während ich bei dem Vorgänger leider ebenfalls feststellen musste, dass das Cover feine Risse bildet, kann ich diesmal nichts anderes als schwärmen.

Neu ist nämlich die Möglichkeit, neben dem üblichen Soft- oder Hardcover nun eine Lederoptik oder ein Cover mit Wattierung zu wählen. Letztendlich für mich die optimale Lösung, um den altbekannten Problem mit einem zwar auf den ersten Blick optisch schönen Cover, aber einer schnellen ersichtlichen Abnutzung aus dem Weg zu gehen. Ich wählte die Lederoptik, die super aussieht, sich gut anfühlt und bisher keinerlei Gebrauchsspuren erkennen lässt - und das Fotobuch war schon in den ein oder anderen Händen zu sehen. Die individuelle Bedruckung ist ebenfalls noch sehr schön und praktisch, worauf ich auch ungern verzichtet hätte. Was die Haltbarkeit angeht (da es ja nur oberflächlich bedruckt wird) lies es mich zwar bisher zweifeln, doch eine Abnutzung ist seither nicht erkennbar.

Auch die Bindung sieht sehr professionell und hochwertig aus, scheint außerdem für ein langes Leben des Fotobuches zu stehen.

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Außen top, innen top - die Bindung ist hochwertig, das Cover wirkt edel und professionell, alle Ablichtungen sind äußerst zufriedenstellend und ich habe meinen Fotos endlich den Platz einräumen können, die sie für eine volle Wirkung benötigen. Mein bisheriger Favorit unter allen Fotobüchern und für das kommende Jahr weiß ich ganz genau, dass es wohl wieder ein Exemplar von saal-digital werden wird. Wer weiß, vielleicht teste ich dann künftig noch die verlockende Wattierung des Covers...

Mein Modell 28x19 (A4 quer), 80 Seiten matt, Cover Leder-saphir (+ 18€), Gesamtpreis 80,35€

Positiv
x unglaublich schneller Versand! Am Donnerstag Abend reichte ich meine Bestellung ein, am Freitag wurde sie abgeschickt, am Samstag hielt ich mein Produkt bereits in den Händen
x Drucke belichtet auf echtem Fotopapier - tolle Farben, starker Kontrast, scharf abgebildet, selbst dunkle Fotos werden toll abgebildet
x Lederoptik sehr hochwertig
x langlebige Bindung des Buches
x Preis-Leistungs-Verhältnis absolut stimmig
x Fotos können Seite voll ausfüllen
x Benutzerfreundliche Software zum Erstellen (SaalDesign)
x vielfältige Gestaltungsoptionen

Negativ
- diesmal kann ich absolut nichts bemängeln - ich bin voll und ganz zufrieden!

Überzeugt euch hier gerne selbst: saal-digital.de

Wie wichtig ist es für euch, dass ihr eure Fotos nicht nur digital betrachten könnt?

3. Februar 2016

Landschaftsfotografie Guide

Landschaftsfotografie ist für mich eine unfassbar tolle Kombination aus Natur und der Möglichkeit, künstlerisch fotografisch Einflüsse walten zu lassen. Verschiedene Perspektiven, die unterschiedlichsten Wettergegebenheiten, wechselnde Lichtverhältnisse - ein Bild gleicht selten dem anderen. Und das macht für mich die große Besonderheit aus: die Varietät, die eine Landschaft mit sich bringt. Der Moment, der einer Szene das gewisse Etwas verleiht. Und die Gabe, die uns durch die Fotografie gegeben ist, all dies festzuhalten. Denn eine Landschaftsfotografie kann so viel mehr, als nur eine schöne Szenerie der Natur zu sein. Auch sie schafft und kreiert Erinnerungen.

Überraschend häufig wurde es von euch erwünscht, nun gebe ich mein Bestes, das Wissen, welches ich mir für meine Zwecke angeeignet habe, geballt in einem Post zu teilen.

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Das Equipment


An erster Stelle - natürlich ist ein gewisses Equipment von Vorteil. Zunächst zu meiner Ausstattung:
Auf den Fotos, die ihr hier sehen könnt, habe ich überwiegend die Canon EOS 600D benutzt, aktuell ist es die Canon EOS 7D. Für meine Landschaftsaufnahmen benutze ich überwiegend mein Ultraweitwinkelobjektiv von Tokina, das AT-X 11-16mm F2.8.

Die Kamera
Hat eigentlich, wenn wir mal ehrlich sind, nicht allzu viel zu sagen. Kommt es nicht gerade auf die höchste Auflösung und auf verschiedene Techniken an, kann es von Mobiltelefon-Kamera über eine einfache Kamera zu sämtlichen Klassen aus dem Spiegelreflex-Bereich alles sein, was am Ende eine tolle Aufnahme einer Landschaft erzeugt. Sicher, wer eine Langzeitbelichtung machen möchte, kommt da wohl ohne die passende Kamera nicht weit. Dennoch heißt es, wie in jeder Art der Fotografie, niemals, dass die Bilder weitaus besser sind, nur weil eine Kamera besser ist.

Mein Tipp: stellt auf jeden Fall ein Gitter ein! Je nach Modell findet ihr das in euren Kameraeinstellungen (was Canon betrifft, könnt ihr mich gerne genauer fragen) für den Live View als auch für den Sucher. Ebenso ist es bei Handys möglich, zumindest kann ich das für das iPhone vergewissern - aktiviert dafür einfach in den Einstellungen unter Fotos & Kamera das Raster.


Das Objektiv
Selbiges Spiel wie für die Kamera - alles ist möglich. Aber ich denke viele von euch wissen, was nahezu unverzichtbar ist, wenn man es in einem gewissen Grad ausüben möchte: ein Ultraweitwinkelobjektiv! Ähnliche Wirkung wie bei einem Fisheye, mit Verzicht des dafür typischen verzerrenden Effekts, wobei diese natürlich auch eine gewisse Verzerrung erzielen, die aber durchaus sehr interessant eingesetzt werden kann. Ultraweitwinkel bedeutet eine umfassende Sicht von über 80°, so hat mein Tokina z.B. einen Winkel von 82°-104°. Noch einmal kurz zusammengefasst: ein großer Bildwinkel bedeutet eben viel Landschaft, was schlichtweg hervorragend aussehen kann und eine Menge aus den Motiven rausholt.

Zusätzliches Equipment
Mit einem steigenden Interesse an der Landschaftsfotografie stieg nun auch die Anzahl meines Zubehörs. Hinzu kamen Filter, Fernbedienungen und eben mein neues Objektiv.

ND Filter - Neutraldichtefilter
Oder auch Graufilter genannt, sind für Langzeitaufnahmen unverzichtbar. Man schraubt (oder steckt) den verdunkelnden Filter für die Kamera, um je nach Wert eine unterschiedliche Verdunklung zu erzielen. Beispielsweise um bei Tageslicht, sollte man mit den Einstellungen der Kamera an seine Grenzen stoßen, eine längere Belichtungszeit zu erzielen. Angewandt findet ihr genaueres weiter unten im Text.

Je stärker der Filter, dementsprechend wird es auch dunkler und die notwendige Belichtung länger - ich besitze den PHOREX by #Jaworskyj ND1.8 64-fach (stärkere Abdunklung) und den ND3.0 1000-fach (starke Abdunklung). Kombiniert ergeben diese beiden Filter sogar eine 64.000x Abdunklung! Als Beispiel der verschiedenen Abstufungen: bei einer mittleren Blende, ungefähr 8-9, und einer Verschlusszeit (=Belichtung) von 1s ohne Filter, kommt man mit dem 8x Filter auf dementsprechend 8s, mit 64x auf 1min und mit dem stärksten Filter der PHOREX Reihe auf ganze 16min Belichtungszeit, die möglich wird.

...solch lange Belichtungen sind auf zwei Wege möglich:
a) durch einen (Funk)Fernauslöser, der das Fotografieren im Bulb Modus ermöglicht. Dabei könnt ihr, je nach Möglichkeiten der Fernbedienung, solange belichten, bis ihr via Fernsteuerung unterbrecht. Mein Modell findet ihr hier.
b) einige Kameras, wie zum Beispiel meine 7D, besitzen einen Bulb-Modus, siehe "B". Solange wie ihr den Auslöseknopf gedrückt haltet, solange wird belichtet.

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Polarisationsfilter
Ein Polfilter/CPL Filter sorgt dafür, dass, wie der Name es verspricht, Licht absorbiert wird, anstatt reflektiert zu werden. Das lässt zum einen also darauf schließen, dass es Reflexionen nimmt - dies macht sich vor allem durch einstrahlendes Sonnenlicht auf Oberflächen wie die von Blättern etc. bemerkbar, als auch an Wasseroberflächen, wovon es folgend die Spiegelung nimmt und eine Sicht in das Gewässer gewährt. Eine weitere tolle Sache: es verstärkt Kontraste - so ist beispielsweise ein sehr sattes, dunkles Blau im Himmel möglich, wobei vom polarisierten Blau teils die Helligkeit zurückgehalten wird. Ein Polfilter ist demnach eine grandiose Möglichkeit, um ohne Bearbeitung so viel wie möglich aus den Bildern herauszuholen. Mein Polfilter ist ebenfalls von PHOREX.

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mit Polfilter//ohne Polfilter

Die Motive


Beim ersten Gedanken klar: Landschaften. Theoretisch kann man aus jeder Landschaft mithilfe von Naturschauspiel (Wolken, Licht etc.) und interessanten Perspektiven viel rausgeholt werden, doch besonders spannend wird es natürlich dann, wenn Umsetzung und gegebene Landschaft stimmig im Einklang für einen möglichen Wow-Effekt sind. Heißt: mehrere Motivbestandteile und Einwirkungen sind, meiner Meinung nach, besonders vorteilhaft.

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Das obige Beispiel verdeutlicht dies recht gut: hier steht weniger die Wetterlage im Vordergrund, wobei diese natürlich zur Stimmung beiträgt, jedoch mehr die einzelnen Bestandteile. Und in dieser Hinsicht ist gefühlt alles vertreten: belebte Natur, unbelebte Natur, kleinflächige Motive, großflächige Motive, Kontraste, Farben, eine einbezogene Wirkung von Vorder- und Hintergrund - nahezu ein wenig viel, aber eine interessante Wirkung ist allemal geschaffen. Hier ausgelöst durch den abgebrochenen Ast, der im Vordergrund liegt und auf den, in das ganze Bild hinein verlaufend, das Hauptaugenmerk liegt.

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Doch interessante Aufnahmen können auf den unterschiedlichsten Wegen entstehen.
Siehe zum Beispiel die vorangegangenen drei Bilder - einmal haben wir eine Landschaft die von einer Herde Gnus durchtrabt wird, also eine Auflockerung durch Tiere, weiterhin mit der Brücke ein Zusammenspiel von Natur und Architektur, sowie eine Landschaft, siehe mittleres Bild, die ein jeder vor der Haustür, vielleicht auch ein paar Meter entfernt, in der ehemaligen Heimat oder unterwegs spontan entdecken kann. Ich kann euch versichern, dass der kleine Teich in Natura wenig Spannung mit sich bringt - doch jedes Motiv kann voll ausgenutzt werden. Wie genau ich das anwende, erzähle ich euch später.

Genauso kann ein Bestandteil der markant für die Landschaft ist genauso im Vordergrund stehen. Wie die Kreidefelsen auf Rügen - wieso also nicht diese auch in den Fokus setzen?

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Eine weitere Sache, die besonders beliebt (zurecht!) ist - Spiegelungen! Der nasse Sand lässt ein einfaches Motiv wie eine Seebrücke direkt spannender wirken, erst Recht, wenn dies den Vordergrund und meisten Anteil des Bildes ausmacht. Probiert es einfach mal aus - nasser Sand, Pfützen, ein kleiner Teich oder Tümpel, den man auf einmal gigantisch wirken lassen kann,...

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Stimmung durch Licht


Letztendlich ist das Licht und der Wandel der Natur genau das, was jedes Bild einzigartig macht. Nie wird eine Wolke der anderen gleichen, der Lichteinfall genau so sein, wie wir es schon kannten oder das Zusammenspiel eine Szenerie hervorrufen, die wir so bereits gesehen haben. Die Situationen wechseln, und manchmal hat man genau diese eine vor Augen, die man gerne erreichen möchte. Dann lohnt es sich, einen Spot mehrmals zu besuchen - habt bitte keine Scheu davor! Auf den perfekten Moment zu warten, kann zum Schluss ein grandioses Foto erst ausmachen.

Goldene Stunde/ Sonnenaufgänge und -untergänge 

Entweder das Selfie der Landschaftsfotografie oder genau das, was man möchte: weder ein Sonnenaufgang oder Untergang ist etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat. Doch seien wir mal ehrlich... wen interessiert das? Denn auch diese sind wandelbar! Genau jetzt, wie er in dieser Minute ist, wird er nie wieder aussehen. Selbst als ich in Florida an zwei Morgenden hintereinander den Sonnenaufgang fotografierte, konnten sich diese zwei Tage nicht mehr unterscheiden, was die Stimmung anging. Außerdem wechselt das Schauspiel rasant von Minute zu Minute. Am Morgen wie am Abend.

Nicht zuletzt ist die wohlbekannte "Golden Hour" oftmals der Augenblick, der einem nach Anblick des Fotos auf dem Display einen Seufzer entlockt. Alles in warme Farben getüncht, sanftes Lichtspiel und vor allem - keine harten Schatten! Die Vermeidung von direktem Licht kann viel bewirken. Sei es ein Foto von einem "einfachen" Sonnenuntergang", oder eine Landschaft vergoldet in zartem Sonnenlicht, welche im Vordergrund steht. Mein persönlicher Favorit für das Fotografieren, da jede weitere Aufnahme, auch an der selben Stelle, wieder anders aussehen kann.

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Die Blaue Stunde

Soll nicht den Zustand des Fotografen beschreiben, sondern die Zeit nach Sonnenuntergang bis es langsam dunkel wird. Ihr kennt es vielleicht - alles wird allmählich lila und blau. Kurz gefasst: Dämmerung. Kühlere Töne, die aber mindestens genauso schön sind. Es ist am besten geeignet, wenn man insbesondere den Himmel viel mit einbezieht - denn durch Wolken entsteht so schnell eine gewisse Dramatik. Um den Effekt zu verstärken, bietet sich auch ein kühler Weißabgleich an, beziehungsweise die Einstellung Kunstlicht.

Noch etwas ziemlich geniales: mit diesem Rechner könnt ihr euch berechnen lassen, wann in eurem Ort zu welcher Zeit die Goldene oder Blaue Stunde einsetzt.

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Perspektiven & Schnitte


Normalperspektive
"Normal" trifft es hier sehr passend, und bedarf kaum einer weiteren Ergänzung. Man nimmt eine Landschaft auf, wie man sie auch normal aus der eigenen Höhe sieht - Dramatik und Spannung sind eher gering, aber können dennoch eine angenehme Sichtweise schaffen, die ab und an auch angebracht ist.

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Froschperspektive
Hierbei geht es meist vor allem um den Vordergrund - ist die Kamera weit gegen Boden oder auf dem Boden, ist es ein leichtes, Motive überdimensional erscheinen zu lassen. Ihr könnt es euch sicher denken: das Gewässer da unten ist lediglich ein Pfützchen. Diese Perspektive ist äußerst interessant, vor allem durch eventuelle Größenverzerrungen, und eine der besten Möglichkeiten, aus einer Landschaft viel herauszuholen, auch besonders dann, wenn eventuell der Hintergrund beziehungsweise der Himmel nicht allzu viel hergibt.

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Vogelperspektive
Wenn man etwas von oben sieht, wirkt es immer anders. Wie viele von uns wünschen sich doch, mal wie ein Vogel weit oben schweben zu können, um die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Dabei muss es nicht immer in der Luft sein - luftige Höhen genügen genauso, auch mit festen Untergrund. Man bekommt eine ganze Menge auf ein Bild und erfasst die Landschaft im Ganzen - sie kann ihre volle Wirkung entfalten, mit Fokus auf mehrere Details, als es vom Boden aus möglich wäre.

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Der Goldene Schnitt
Auch 2/3-Regel genannt, ist euch gewiss nicht unbekannt. Eine so einfache "Regel", mit der man so so viel aus einer Aufnahme rausholen kann. Man entscheidet sich dafür, welcher Teil der Szenerie 2/3 abbekommt und welcher die restlichen 1/3 der Bildaufteilung - die Wirkungen können dabei ganz unterschiedlich sein, und verschiedene Dinge, eben Vorder- oder Hintergrund, werden verschiedenartig in Szene gesetzt.

Wie dieses Beispiel der Brücke gut verdeutlicht: mit Hilfe des Goldenen Schnitts mit einem 2/3 Bereich für den Himmel kann dieser auch viel intensiver wirken, andersherum erzeugt es eine spannende Sicht aus der Froschperspektive, bei der deutlich der nasse Sand mehr im Vordergrund steht.

Die Horizontlinie mittig zu setzen ist keineswegs verboten oder komplett zu unterlassen - es nimmt allerdings Dynamik und Spannung. Es bietet sich aber bei Spiegelungen sehr schön an, um beispielsweise die Symmetrie von Motiv und Spiegelung dessen im Bild zu verdeutlichen. Mein Vorschlag: probiert immer alles! Zur Veranschaulichung fotografierte ich alle 3 Varianten, geplant war am Anfang quasi nur die erste, doch im Endeffekt fand ich das letzte auch ziemlich interessant.

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2/3-Bereich Wolken // Horizontlinie mittig // 2/3-Bereich Sand (Vordergrund)

Praktische Einflüsse durch Filter: Langzeitbelichtungen


Nun endlich zur Praxis. Theoretisch ist gewiss auch noch nicht alles abgehandelt, doch ist das erst einmal die Menge an Information, die ich euch an erster Stelle empfehlen würde. Ich garantiere für nichts, doch das ist so, wie ich es umsetze.

Mein A und O bei der Landschaftsfotografie ist zuallererst: belichten wir mal ein paar Sekündchen, vielleicht auch ein paar Minuten. Wenn ich mein Stativ positioniert habe (anders ist es natürlich kaum möglich), hab ich meist schon direkt die Idee eines Bildes vor Augen, welche ich dann auch so umsetzen möchte. Danach entscheidet sich, wie lange belichtet wird... danach und nach der Notwendigkeit des Umherprobierens, wie das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Bei Seen kann ich die Oberflächen glatt ziehen. Wellen können sanfter werden. Die Wolken werden zu Ziehern. Wasserfälle und Flüsse werden weich in ihrer Bewegung. All das sind für mich Dinge, die eine Landschaftsfotografie ausmachen. Sie verdeutlichen die Bewegung der Natur, frieren die Landschaft nicht wie ein Schnappschuss ein und ist unsere Möglichkeit, künstlerisch, praktisch tätig zu werden. Außerdem nicht zu unterschätzen: belichten wir etwas länger, kann auch die Bewegung von Menschen verschwinden, also diese selbst auch. Nicht selten äußerst vorteilhaft!

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ISO 100, 177 sec, F4.5, 11mm

Bei diesem Bild zweierlei Gründe: einmal um Ruhe in das Bild zu bringen durch das Glattziehen des Sees, und um die Menschen verschwinden zu lassen - denn, logisch; so eine Badesee ist im Sommer eben auch gut besucht.

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ISO 100, 6 sec, F2.8, 11mm (oben und unten!)

Bei diesen Vergleichsbildern sieht man einige Sachen sehr gut: erstens, dass natürlich die Bewegung der Wellen sanfter wird, sie aber durch 6 Sekunden Belichtung, also nicht allzu lang, dennoch als Wellen zu erkennen sind, es hat also auch keine großartige Auswirkung auf den Himmel, zumal dieser sowieso relativ einheitlich grau ist, mit zu wenigen Kontrasten, um es bei Ziehern spektakulär aussehen zu lassen. Zweitens: durch das Abändern des 2/3-Bereichs auf den Vordergrund gewinnen die kleinen Steine an Bedeutung und wirken größer. Tolle Sache dabei, wie ich finde: das Wasser, was kurz angeschwemmt wird, und dadurch wie Nebel zwischen den Steinen wirkt.

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ISO 100, 0.8 sec, F5.0, 11mm

Ein Meer möchte man nicht glatt ziehen, sondern die Wellen weicher und sanfter abzeichnen. Da das Wasser sehr bewegungsintensiv ist, genügt hier eine recht kurze Verschlusszeit. Je nachdem, was man für eine Wirkung haben möchte, entscheidet man sich dafür, oder dagegen bezüglich der Verwendung von Filtern und einer längeren Belichtung als sonst möglich. In diesem Fall wollte ich ein harmonischeres Auftreten des Meeres passend zu der Sonnenuntergangsstimmung.

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ISO 100, 255 sec, F2.8, 11mm // ISO 100, 189 sec, F2.8, 11mm // ISO 100, 202 sec, F2.8, 11mm

Was ihr bei dieser Reihe sehr gut sehen könnt: belichtet man ein Meer lange, für das Wasser an sich zu lange, dann entsteht daraus ein bläulicher und ein weißer Streifen. Wasser und Schaum. Als Meer nicht mehr allzu gut erkennbar, doch das steht in diesem Fall gar nicht wirklich im Vordergrund: sondern je nach Verteilung Sand oder Himmel, wobei letzteres immer eine tragende Rolle spielt - durch die lange Verschlusszeit. Die Wolken werden zu Ziehern, man sieht die Bewegung der Natur; das beste Mittel, um einem Bild Dynamik zu verleihen. Der Fokus soll dabei gar nicht auf den Sandhäufchen liegen, sondern lediglich als Vordergrund und zur Motivgestaltung beitragen - durch eine Blende von 2.8 sitzt der Fokus an dieser Stelle dafür auch nicht passend.

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ISO 100, 6 sec, F/18, 11mm

Der Klassiker: der Wunscheffekt eines weichen Wasserfalls... in diesem Foto ist es eher ein Wasserfällchen, aber ihr seht, was das Ergebnis ist. Auch hier ist keine unnütz lange Belichtung notwendig, da schon bei einer relativ kurzen Verschlusszeit der gewünschte Effekt erzielt wird. Das Wasser ist schnell, also wäre das die logische Konsequenz. Da ich nur meinen 64x Filter dabei hatte, musste ich, da die Sonneneinstrahlung sehr intensiv war trotz umgebener Bäume, mit einer weiter geschlossenen Blende nachhelfen, um ungefähr auf meine passende Verschlusszeit zu kommen.


Ich hoffe sehr, dass ich euch mit diesem kleinen Guide etwas weiterhelfen kann oder eventuell sogar die ein oder andere Inspiration liefere. Für Fragen stehe ich immer und jederzeit bereit, egal wo, wann, wie - fragt mich ruhig! Ein Profi bin ich absolut nicht, doch die Landschaftsfotografie wurde eine große Leidenschaft von mir und ich hoffe sehr darauf, mich auf diesem Gebiet weiterentwickeln zu können.
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